Grüngasquote: Was sie für Deine bestehende Gasheizung bedeutet

Ab 2028 sollen Gasversorger grünes Gas beimischen, auch für alte Heizungen. Was beschlossen ist, wer zahlt und warum Dein Gaspreis steigen kann.
October 29, 2026
Biogasanlage auf einem Feld
Ab 2028 sollen Gasversorger einen wachsenden Anteil grünes Gas verkaufen. Das betrifft auch Deine Gasheizung, wenn sie schon seit Jahren läuft. Beschlossen ist davon bisher aber nur ein Auftrag an die Regierung, kein fertiges Gesetz.

Kurz gesagt

  • Die Grüngasquote ist noch kein geltendes Recht. Das Gebäudemodernisierungsgesetz enthält nur den Auftrag an die Bundesregierung, bis zum 1. Dezember 2026 ein eigenes Gesetz vorzulegen. Mitte Oktober hat das Wirtschaftsministerium dazu Eckpunkte vorgelegt.
  • Verpflichtet werden sollen die Versorger, nicht Du. Laut den Eckpunkten sollen sie ab 2028 einen wachsenden Anteil grüner Brennstoffe verkaufen, 2045 dann 100 Prozent.
  • Grüne Gase gelten als teurer als Erdgas. Die Quote kann deshalb den Gaspreis für alle Haushalte mit Gasheizung erhöhen, auch für alte Anlagen.

Ist die Grüngasquote schon beschlossen?

Nein, bisher nicht. Seit dem 29. Juli 2026 ist das Gebäudemodernisierungsgesetz in Kraft, kurz GModG. Es ist die Neufassung des bisherigen Heizungsgesetzes. Manche Berichte erwecken den Eindruck, die Grüngasquote stehe schon darin. Das stimmt nur zum Teil.

Im Gesetz steht § 42a. Danach legt die Bundesregierung bis zum 1. Dezember 2026 ein Gesetz zur Einführung einer Grüngas- und Grünheizölquote vor. Die Inverkehrbringer von Gas, Öl und Flüssiggas, also Versorger und Händler, sollen ihre Brennstoffe für die Gebäudewärme ab 2045 vollständig auf klimaneutrale Brennstoffe umstellen. Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags halten § 42a für rechtlich unverbindlich. Er kann die Regierung nicht zu einem Gesetz zwingen.

Im September schrieb die Bundesregierung in einer Antwort an den Bundestag, das Gesetz zur Quote befinde sich „in der Vorbereitung“. Mitte Oktober folgten Eckpunkte des Wirtschaftsministeriums, am 16. Oktober ein erster Dialog mit den Verbänden. Eckpunkte sind ein Plan, kein Gesetz. Der Energieverband BDEW sieht noch „erheblichen Diskussionsbedarf, bevor aus den Eckpunkten ein Gesetz entsteht“. Unternehmen bräuchten zudem mindestens ein Jahr zwischen den fertigen Regeln und dem Start der Pflicht.

Was ist der Unterschied zwischen Bio-Treppe und Grüngasquote?

Beide Regeln sollen mehr grüne Brennstoffe in die Heizung bringen. Sie treffen aber unterschiedliche Leute.

  • Die Bio-Treppe (§ 43 GModG) ist beschlossen. Sie gilt nur, wenn eine Gas-, Öl- oder Flüssiggasheizung neu in ein bestehendes Gebäude eingebaut wird. Dann muss der Eigentümer sicherstellen, dass ein Mindestanteil der Wärme aus Biomethan, Bioöl, biogenem Flüssiggas oder Wasserstoff stammt: 10 Prozent ab 2029, 15 Prozent ab 2030, 30 Prozent ab 2035 und 60 Prozent ab 2040. Laut t-online schließt der Eigentümer dafür einen Vertrag mit einem Versorger, und der Schornsteinfeger prüft ihn.
  • Die Grüngasquote ist geplant. Sie richtet sich an die Versorger. Laut den Eckpunkten, über die t-online berichtete, beginnt sie 2028 bei 1 Prozent. Sie steigt über 5 Prozent 2030, 20 Prozent 2035 und 50 Prozent 2040 auf 100 Prozent 2045. Sie betrifft damit auch Heizungen, die schon seit Jahren laufen. Selbst aktiv werden musst Du als Eigentümer nicht.

Laut dem Fachblog Recht energisch sollen Mengen aus der Bio-Treppe auf die Quote angerechnet werden. So soll niemand doppelt belastet werden. Ausgenommen sein sollen Industrie, Gewerbe und Verkehr sowie die Strom- und Fernwärmeerzeugung. Die Quote träfe also vor allem private Haushalte.

Steigt Dein Gaspreis durch die Grüngasquote?

Die Pflicht trifft den Versorger. Bezahlen könnte sie am Ende trotzdem der Kunde. Kauft Dein Versorger einen Teil seines Gases als Biomethan oder Wasserstoff, und ist das teurer als Erdgas, steigen seine Kosten. Der BDEW fordert, dass Versorger diese Mehrkosten rechtssicher an ihre Kunden weitergeben dürfen, auch in laufenden Verträgen. Verfehlt ein Versorger die Quote, soll er laut t-online eine Ersatzzahlung leisten. Ob er auch die weitergeben darf, regeln die Eckpunkte nicht.

Wie teuer Biomethan wird, weiß niemand genau. Das Wirtschaftsministerium erwartet laut t-online steigende Heizkosten für Eigentümer von Gas- und Ölheizungen, nennt aber keine Zahlen. Es verweist auf eine Analyse von Frontier Economics und der Denkfabrik Epico aus dem Mai 2026. Ihre Ergebnisse laut t-online:

  • Sinkt die Zahl der Gasheizungen, könnte eine Kilowattstunde Biomethan 2035 etwa 8 bis 15 Cent kosten.
  • Bleibt die Zahl der Gasheizungen weitgehend gleich, sind im Extremfall 47 Cent möglich.
  • Zum Vergleich nennt t-online den Erdgaspreis für Neukunden mit derzeit etwa 13 Cent je Kilowattstunde. Ob die Werte direkt vergleichbar sind, geht aus dem Bericht nicht hervor.

Epico-Geschäftsführer Bernd Weber hält die Analyse inzwischen für teilweise überholt, weil die Quote steiler ausfallen soll als damals angenommen. Er rechnet damit, dass grüne Gase auf absehbare Zeit teurer bleiben als Erdgas. Bis 2030 sei die Mehrbelastung noch überschaubar.

Offen ist auch, wie viel Biomethan es überhaupt geben kann. Epico hält laut t-online bis 2045 rund 150 Terawattstunden für erreichbar, das Ministerium sieht das bestätigt. In ihrer Antwort an den Bundestag vom September schrieb die Bundesregierung dagegen, die Prognosen zu den Potenzialen gingen so weit auseinander, dass sie für die Gesetzesfolgenabschätzung nicht herangezogen werden könnten.

Was Du jetzt tun kannst

  1. Nichts überstürzen. Für Deine bestehende Gasheizung gilt die Bio-Treppe nicht, und die Grüngasquote ist noch nicht beschlossen. Du musst deshalb jetzt keinen neuen Gasvertrag abschließen.
  2. Den Gesetzentwurf abwarten. Bis zum 1. Dezember 2026 soll die Bundesregierung ihn vorlegen. Erst dann steht fest, wie steil die Quote steigt und wie die Kosten verteilt werden.
  3. Preisänderungen genau lesen. Nennt Dein Versorger später die Quote als Grund für eine Erhöhung, achte darauf, welcher Preisbestandteil steigt. Vergleiche dann mit anderen Angeboten.
  4. Beim Heizungstausch die Bio-Treppe einrechnen. Wer jetzt eine neue Gasheizung einbaut, muss ab 2029 einen steigenden grünen Anteil sicherstellen. Frag deshalb nicht nur nach dem Preis für das Gerät, sondern auch nach dem Preis für den passenden Brennstoff.
  5. Die langfristige Frage stellen. Der CheckHaus-Rechner zeigt für Deine Adresse, was das Bleiben bei Gas kostet und ab wann ein Wechsel sich rechnet.

Dein Schutz: Nur allgemeine Information, keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei Fragen zu Deinem Vertrag hilft die Verbraucherzentrale.

Zahlen und Rechtsstand zuletzt geprüft am
29.10.2026

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