Kurz gesagt
- Der Gasgroßhandel hat sich seit Februar mehr als verdreifacht. Bei Haushalten kommt das mit Verzögerung an, voraussichtlich Ende 2026 oder im Lauf von 2027.
- Neben dem Energiepreis steigen auch Netzentgelte und CO₂-Preis. Diese beiden Teile hängen nicht am Weltmarkt und gehen nicht wieder zurück, wenn die Krise endet.
- Prüfe jetzt Vertragsende und Abschlag. Wer vorbereitet ist, kann bei einer Preiserhöhung reagieren statt nur zu zahlen.
Warum ist der Gaspreis im Oktober 2026 gestiegen?
Am 28. Oktober 2026 stieg der europäische Referenzpreis für Erdgas über 100 Euro je Megawattstunde. So hoch war er zuletzt im Dezember 2022. Vor Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar lag er bei rund 32 Euro.
Zwei Gründe nennen die Berichte:
- Der Krieg mit dem Iran. Eine der wichtigsten Routen für Flüssigerdgas führt durch die Straße von Hormus.
- Die Gasspeicher. Deutschland geht mit wenig Reserve in den Winter. Am 24. Oktober waren die Speicher zu 61,5 Prozent gefüllt, vor einem Jahr waren es rund drei Viertel.
Eine schnelle Entspannung erwartet die Internationale Energieagentur nicht. Ihr Chef Fatih Birol sieht keinen glaubwürdigen Weg, dass 2027 ein Jahr der Normalisierung wird. Er bezog sich dabei vor allem auf den Ölmarkt.
Wann kommt der höhere Gaspreis auf Deiner Rechnung an?
Bei den meisten Haushalten voraussichtlich Ende 2026 oder im Lauf von 2027. Dein Versorger kauft Gas meist Monate oder Jahre im Voraus. Deshalb dauert es, bis ein Preissprung an der Börse bei Dir ankommt. Das gilt in beide Richtungen.
- 2026: Der Heizspiegel von co2online erwartete im September für eine 70-Quadratmeter-Wohnung mit Gas sogar etwas niedrigere Kosten als 2025, rund 4 Prozent weniger. Gründe waren günstige Einkäufe zu Jahresbeginn und der Wegfall der Gasspeicherumlage.
- Ende 2026 und 2027: Dieselbe Stelle rechnet damit, dass die gestiegenen Großhandelspreise dann durchschlagen. Diese Einschätzung stammt von vor dem Preisanstieg im Oktober.
- Regional schon spürbar: Laut Verivox ist Gas für Haushalte in Baden-Württemberg innerhalb von zwölf Monaten um 22 Prozent teurer geworden.
Wie stark Dein eigener Tarif steigt, hängt von Deinem Versorger und Deinem Vertrag ab. Eine seriöse Zahl für alle gibt es nicht.
Woraus besteht Dein Gaspreis 2027?
Dein Gaspreis besteht nicht nur aus dem Gas selbst. Drei Teile bewegen sich unabhängig voneinander.
- Energiepreis: steigt voraussichtlich mit Verzögerung. Hängt am Weltmarkt und kann auch wieder fallen.
- Netzentgelt: im Bundesschnitt plus rund 3 Prozent laut Verivox, regional sehr unterschiedlich. Hängt an den Kosten des Gasnetzes und fällt nicht von selbst.
- CO₂-Preis: 2027 bleibt er im Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne, das hat der Bundestag im Oktober beschlossen. Ab 2028 entsteht er im europäischen Emissionshandel, ohne festen Korridor.
Netzentgelt. Für einen Haushalt mit 20.000 Kilowattstunden rechnet Verivox 2027 mit rund 19 Euro mehr. Überdurchschnittlich steigt es unter anderem in Berlin, Hamburg, Rheinland-Pfalz und Brandenburg, in Sachsen und Thüringen sinkt es leicht. In München steigt es laut vorläufigem Preisblatt der SWM um rund 1 Prozent. Der Trend dahinter ist eindeutig: Wir haben die Erlösobergrenzen von 81 Gasnetzbetreibern über neun Jahre ausgewertet, und keiner von ihnen hatte sinkende Kosten (so rechnen wir). Werden es weniger Kunden, verteilen sich diese Kosten auf weniger Haushalte.
CO₂-Preis. Er steigt mit jeder Kilowattstunde Gas, die Du verbrennst. Ursprünglich sollte der Preis schon 2027 frei am Markt entstehen. Die EU hat den Start ihres Emissionshandels für Gebäude und Verkehr auf 2028 verschoben, Deutschland verlängert deshalb den Korridor um ein Jahr.
Neue Gasheizung? Wer seit dem 29. Juli 2026 eine neue Gasheizung einbaut, muss ab 2029 einen wachsenden Anteil grüner Brennstoffe beziehen: 10 Prozent ab 2029, 15 ab 2030, 30 ab 2035, 60 ab 2040. Diese Brennstoffe sind teurer als Erdgas.
Was Du jetzt tun kannst
- Vertrag prüfen. Wann endet Deine Laufzeit, gilt eine Preisgarantie, und für welche Preisbestandteile? Viele Garantien schließen Netzentgelte und Steuern aus.
- Bei einer Preiserhöhung reagieren. Kündigt Dein Versorger eine Erhöhung an, kannst Du in der Regel außerordentlich kündigen. Das geht nur bis zu dem Tag, an dem die neuen Preise gelten. Vergleiche vorher die Angebote für Deine Postleitzahl.
- Abschlag anpassen. Ein etwas höherer Abschlag jetzt verhindert eine große Nachzahlung im nächsten Jahr.
- Verbrauch senken. Ein Grad weniger Raumtemperatur spart nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur rund sechs Prozent Energie.
- Die langfristige Frage stellen. Der Energiepreis schwankt, Netzentgelt und CO₂-Preis steigen. Der CheckHaus-Rechner zeigt für Deine Adresse, was das Bleiben bei Gas kostet und ab wann ein Wechsel sich rechnet.
Dein Schutz: Nur allgemeine Information, keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei Fragen zu Deinem Vertrag hilft die Verbraucherzentrale.




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